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Kall-Steinfeld
Mit einem großen Festakt wird am 8. Dezember die Übernahme von Kloster Steinfeld durch den Orden der Salvatorianer vor 100 Jahren gefeiert. Dass die Gemeinschaften von acht Brüdern und Patres und von drei Salvatorianerinnen noch heute vor Ort sind, verdankt sich dabei einem Glücksfall.

Selbstbewusst wirkt die Statue von Franziskus Maria vom Kreuze Jordan (1848-1918), der 1881 den Orden der Societas Divini Salvatoris (Gesellschaft des göttlichen Heilands, Ordenskürzel SDS), kurz der Salvatorianer gegründet hatte, im Innenhof vonKloster Steinfeld. So imposant, aber auch bescheiden wie Jordans Abbild ist in gewisser Weise auch die barocke Klosteranlage Steinfeld: Gästehaus, weitere Wohntrakte, Basilika Minor – 1960 als solche per päpstlichem Dekret erhoben – und die Parkanlagen. Doch was heute so selbstverständlich aussieht, war 1923, bevor die Salvatorianer nach Steinfeld kamen, schlicht baufällig geworden.

Man habe damals größere Räume für die 1920 gegründete Schule für den Ordensnachwuchs gesucht, so der 84-jährige Pater Hermann Preußner, der zur 100-jährigen Residenz seines Ordens in Steinfeld einige historische Daten zusammengestellt hat. Das Erzbistum Köln bot die altehrwürdige Klosteranlage im Dorf Steinfeld, die allerdings nicht mehr im besten Zustand war, zur Unterpacht an. Hier waren die Salvatorianerinnen schon seit 1916 in der 1857 gegründeten Preußischen Erziehungsanstalt als Hauswirtschafterinnen und Lazarettpflegerinnen tätig. Jetzt, nach Schließung der Einrichtung 1923, kamen Ende jenes Jahres ihre Mitbrüder und Patres dazu. Am 8. Dezember wurden der Salvatorianer Pater Hubert Kreuzer als Pfarrer und Superior, sowie Pater Sulpitius Schmitz als Prokurator der Pfarrei Steinfeld feierlich in ihre Ämter eingeführt.

Es war der Beginn eines bis heute ununterbrochenen Seelsorgeauftrags. Erst die Pfarrei Steinfeld, dann die heutige GdG Steinfeld werden vom Pfarrhaus vor der Basilika geleitet. Elf Steinfelder Pfarrer stellten die Salvatorianer bisher. Mit 28 Dienstjahren ist der aktuelle, Pater Wieslaw Kaczor, der Rekordhalter in der Reihe. Seelsorgearbeit über den Kirchensprengel hinaus leisteten Steinfelder Salvatorianer in der Nachkriegszeit. Eine zwölfköpfige Volksmissionsgruppe hielt zwischen 1947 und 1958 unter anderem in den Bistümern Paderborn, Trier, Aachen, den Erzbistümern Köln, Münster, Hildesheim oder Berlin mehr als 250 Gemeindemissionen und religiöse Wochen ab.

Pater Wieslaw

„Wer zum ersten Mal nach Steinfeld kommt, der fragt uns oft, wie wir das alles am Leben erhalten können, wie wir das machen“, meint Pater Lambertus, Provinzökonom der deutschen Ordensprovinz der Salvatorianer, und Geschäftsführer der Werke der Salvatorianer gemeinnützige GmbH, die die Stiftung Kloster Steinfeld betreibt, das angeschlossene Gymnasium Hermann-Josef Kolleg wiederum wird von den Werke der Deutschen Provinz der Salvatorianer geführt. Tatschlich wäre die von Superior Pater Paul geleitete heutige Gemeinschaft aus acht Brüdern und Patres, von denen die Hälfte Ü-80 ist, sowie die von Schwester Germana geleitete dreiköpfige Gemeinschaft der Salvatorianerinnen dafür viel zu klein.

Dabei hatte der Orden in den 100 Jahren seiner Präsenz in Steinfeld immer wieder vor den Fortbestand gefährdenden Situationen gestanden. Schon in der Anfangszeit seien die Umstände vor Ort für die Bewohner des Klosters „in jeder Hinsicht ärmlich“ gewesen, so Pater Hermann. Eine Einschätzung, die auch der bekannte Steinfeld-Historiker Helmut J. Kirfel teilt. Für den Unterrichtsbeginn im April 1924 wurden die Schulräume erst notdürftig hergerichtet. Auch angeordnete Umnutzungen des Klosters während des Zweiten Weltkriegs machten das Leben schwer. Ab 1941 und mit Unterbrechungen bis 1953 war Kloster Steinfeld zum Waisenhaus für Bedürftige aus Köln geworden. Von Oktober 1944 bis Januar 1945 diente das weitläufige, im Wesentlichen barocke Gebäudeensemble als Feldlazarett und Hauptverbandsplatz der Wehrmacht. Bis zum Herbst 1946 war hier der Sitz des damaligen Landratsamtes Schleiden.

Das alles hat den Orden nicht daran gehindert, in Steinfeld zu bleiben, Klostergebäude und Basilika zu sanieren. Die einstige Klosterschule wurde nach der zwischenzeitlichen Schließung durch die Nationalsozialisten am 11.Okotber 1945 wiedereröffnet, seitdem wurden auch externe Schüler, seit 1971/72 auch Mädchen aufgenommen. 1961 war hier das erste Abitur abgelegt worden, bis 2022 am heutigen Hermann-Josef Kolleg mit mehr als 700 Schülern und Schülerinnen sind es 3214 Abiturienten.

Ehepaar Scheidtweiler

Kloster und Schule erhalten – das war etwa 1937 für damals 23 Patres, 31 Brüder, fünf Brüderkandidaten und neun Schwestern vielleicht auch einfacher als heute, wo sich die Zahl über die Jahrzehnte auf aktuell elf drastisch verringert hat.

Hätte es da 2014 nicht „den Glücksfall, den es für unsere Ordensgemeinschaft und Kloster Steinfeld bedeutet hat“, so Pater Lambertus, gegeben, wer weiß, ob es „Steinfeld“ als 900 Jahre altes geistiges Zentrum der Eifel noch geben würde. Lambertus war 2012 vom deutschen Provinzialat in München mit einem klaren Auftrag in die Nordeifel geschickt worden: „Entweder wir finden einen starken Partner, oder wir verkaufen das Kloster und wickeln ab“, so der Ordensmanager. Akut war die drohende Insolvenz der vom Kloster betriebenen Biogasanlage, das Scheitern des Geschäftsmodells bedrohte das gesamte Klosterleben. In der gebürtig aus Gemünd stammenden Familie Scheidtweiler, Wolfgang Scheidtweiler kennt Kloster Steinfeld von Kindesbeinen an, fand sich der Klosterretter. Auch wenn Scheidtweiler das nicht so gerne hören will. „Er hat es zur Bedingung für seine Mitarbeit gemacht, dass wir hier bleiben“, so Pater Lambertus.

Um das zu ermöglichen und vor allem die Klosteranlage zu erhalten wurde die Kloster Steinfeld gemeinnützige GmbH & Co. KG gegründet und es wurden Millionen etwa in den Neu- und Umbau des heutigen Gästehauses investiert. „Alles, was wir seitdem verdienen, dient nur dem Erhalt des Klosters und wird dafür auch investiert“, so Pater Lambertus.

Pater Lambertus

Im 100. Jahr der Salvatorianer in Kloster Steinfeld, dem neben dem Benediktinerkloster Maria Laach in der Osteifel einzigen noch übrig gebliebenen vitalen geistigen Ordenszentrum in der Eifel, ist so dessen Zukunft erst einmal gesichert. Doch die Gewinnung von Ordensnachwuchs bleibt nicht nur bei der deutschen Provinz der Salvatorianer ein anhaltendes Problem. „Außerhalb Westeuropas geht das gut, aber innerhalb ist es schwierig“, so Pater Lambertus. Ganze 42 Brüder und Patres und 78 Schwestern bei den Salvatorianerinnen gibt es noch in Deutschland. Die Konsequenz: Die Zahl der Klöster wurde von elf noch vor wenigen Jahren auf vier „Fokusniederlassungen“ in Berlin, München, Bad Wurzach und Steinfeld, sowie das Kloster Maria Steinbach halbiert. Die Niederlassung in Gurtweil bei Waldshut, am Geburtsort des Ordensgründers P. Jordan, bleibt ebenfalls erhalten.

Wie Ordensnachwuchs gewinnen? Die Frage stellt sich auch die Gemeinschaft in Steinfeld, wo zwar immer mal wieder Aspiranten eine Zeit lang bleiben, sich aber dann doch nicht für ein Ordensleben entscheiden können. „Ein Idealrezept hat noch keiner gefunden“, räumt Pater Lambertus achselzuckend ein. Doch dass es eines Tages keine Ordensleute mehr in Steinfeld geben könnte, wo gerade das – Corona bedingt nachgeholte – 900-jährige Bestehen des Klosters Steinfeld ebenfalls in diesem Jahr gefeiert wurde – das ist eigentlich unvorstellbar.

Über die allermeiste Zeit dieser 900 Jahre sind Ordensgemeinschaften in Steinfeld nachgewiesen, und so lange hält auch schon die Verehrung des „Eifelheiligen“ Hermann-Josef an, der im Hauptschiff der schönen Steinfelder Basilika sein Grabmal hat. Papst Pius XII. hatte 1958 in einem „hinterlassenen Dekret“, so Pater Hermann Preußner, verfügt, dass er entsprechend verehrt werden dürfe. Dieses offiziellen Hinweises aus Rom hätte es aber gar nicht bedurft: Die gläubige Eifeler Bevölkerung hatte es schon seit Jahrhunderten so gehalten. (sli)

Text und Bild: S.Lieser